Über uns

Hannah

Huhu, ich bin Hannah 🙂
Ich habe lange gedacht, dass ich eines Tages als Lehrerin versuchen würde Schüler*innen im Rahmen meiner Möglichkeiten durch die Schulzeit zu begleiten. Das habe ich in Teilen auch getan, als ich neben dem Studium als Vertretungslehrerin an einer Gesamtschule gearbeitet habe. Bis, wie es halt so ist, das Leben dazwischen kam und mich mit anderen Wegen, Herausforderungen und Aufgaben überrascht hat. Ich wuchs in meine Rolle als alleinerziehende Mutter, ohne Job und ohne Plan und dachte mir ich setze noch einen drauf und ziehe in eine fremde Stadt.
Et voilà, hier stand ich nun in Bochum und beschloss mich beruflich nochmal neu zu orientieren. Durch Zufall schlitterte ich in eine Anstellung in einem Unternehmen für Haushaltshilfe und lernte was ich dort tat lieben.

Und jetzt ist die Zeit für mich gekommen diese Tätigkeit auf meine Art und Weise weiterzumachen. Mit genauso viel Hingabe und Liebe für die Patient*innen. Aber in anderen innerbetrieblichen Strukturen. Seite an Seite mit einem Haufen Leute, auf die ich bauen und vertrauen kann. Die ich nicht kontrollieren oder sanktionieren muss, sondern die genauso gern und freiwillig für diese Sache arbeiten und einstehen wie ich. Die für ein gutes Leben für sich kämpfen. Und die bereit sind für ein gutes Leben für alle Menschen zu kämpfen.


F

Mein Wunsch war es immer, mit Menschen zu arbeiten, um sie in ihrem Leben zu begleiten und sie in ihren Bedürfnissen zu unterstützen. Während ich als Zivi in einer Schule für Menschen mit Behinderung gearbeitet habe, kam der Entschluss mich zum Kindergärtner (Erzieher) ausbilden zu lassen. Zunächst war es mein Ziel, im Anschluss in einem Kindergarten zu arbeiten, doch wie es so ist im Leben, kommt es häufig anders als gedacht. Ich entdeckte die Arbeit mit erwachsenen Menschen mit Behinderung für mich. Nachdem ich mein Berufspraktikum in einer Wohneinrichtung der Eingliederungshilfe absolviert hatte, wurde ich übernommen und arbeite nun seit über 15 Jahren in diesem Bereich. Obwohl ich in dieser Zeit in ein und derselben Einrichtung war, bin ich gut rum gekommen. Ich habe zum einen in allen Gruppen gearbeitet, habe einige Vorgesetzte erlebt und befand mich zwischenzeitlich selbst in der Verantwortung, ein Team von ca. 20 Mitarbeiter*innen zu führen. Dabei bekam ich tiefe Einblicke in die hierarchischen Strukturen unseres Betriebs und musste erleben, wie es sich anfühlt, zwischen den verschiedenen Interessengruppen zu stehen und dabei zwar die eine Seite zu verstehen, aber etwas anderes vertreten zu müssen. Nach zwei Jahren entschied ich mich, trotz positiver Rückmeldung der Bewohner*innen und den mir anvertrauten Beschäftigten, zurück in den Gruppendienst zu wechseln. Mir fehlte einfach der direkte Kontakt zu den Menschen, mit denen ich immer arbeiten wollte.
Über die gesamte Zeit war es mir ein Anliegen, die Interessen und Rechte der Bewohner*innen zu schützen und zu stärken. Doch geriet ich irgendwann an gewisse Grenzen, was sowohl die Bereitschaft meiner Kolleg*innen und Vorgesetzten zur Veränderung, als auch strukturelle Probleme in diesem Bereich angeht. Nebenbei engagierte ich mich in der Gewerkschaft Verdi, die für uns zuständig ist, um für mich und meine Kolleg*innen bessere Bedingungen zu erstreiten. Hier war aber nach drei Jahren mit kleinen Erfolgen, die sich die Geschäftsführung als gute Tat zuschrieb, wegen zu geringer Unterstützung aus der Belegschaft Schluss. Ich entschied mich nun, mein gesellschaftspolitisches Engagement innerhalb des Betriebes zu beenden und mich bei der Arbeit nur noch um die Kernaufgaben zu kümmern. Ich liebe die Tätigkeit bis heute und konnte mir bis vor Kurzem nicht vorstellen, in einem anderen Bereich zu arbeiten. Doch als ich von der Idee, ein Arbeitskollektiv zu gründen, erfuhr, wurde ich aufmerksam. Die Vorstellung, keine Vorgesetzte mehr zu haben und die anfallende Arbeit in einer gleichberechtigten Form mit meinen Kolleg*innen zu organisieren, fand ich einfach unwiderstehlich. Hinzukommt, dass ich es durch meine aktuelle Tätigkeit gewöhnt bin, bei anderen Menschen den Haushalt zu führen und mich an ihren Bedürfnissen zu orientieren.

Daher freue ich mich, bald mit dem Kollektiv starten zu können.


Fabi

Um meine Motivation dafür nachvollziehen zu können, warum ich diesen Kollektivbetrieb mitgründen und in ihm arbeiten will, sind die nachfolgenden Einblicke sicherlich hilfreich.

In den letzten Jahren meines Lebens ist mir ziemlich deutlich bewusst geworden, dass die gängigen Arbeits- und Ausbildungsverhältnisse nicht gerade zu meinem Wohlergehen beigetragen haben. Dazu die Aussicht, dass das Ganze noch mehrere Jahrzehnte so weiter gehen soll? Uff, bitte nicht. So wie es ist und war, soll es nicht bleiben. Ich bin es leid, weiter unzufrieden umherzuirren – sehendes Auges hinein in die nächste Frustration.

Ganz hilfreich ist es daher, dass ich irgendwann zu dem Schluss gekommen bin, dass es überhaupt nicht das Arbeiten an sich ist, das mich so fühlen lässt. Es geht dabei viel mehr darum, auf welche Art diese Arbeit organisiert ist. Das zeigt sich für mich an so Fragen wie „Wer bestimmt darüber, was ich bei meiner Arbeit mache?“, „Wie sinnvoll und wichtig ist meine Arbeit?“ oder „Welches Ziel wird mit ihr überhaupt verfolgt?“.

Das Ding ist: ich bin ziemlich davon überzeugt, dass in mir (und wohl den allermeisten Menschen) so viele Talente und Fähigkeiten komplett Brach liegen oder einfach unterdrückt werden. Eben auch, weil Arbeit in diesem Wirtschaftssystem so organisiert ist – als Lohnarbeit.

Ich bin total motiviert, mein Arbeitsleben wirklich selbst und mit Gleichgesinnten gestalten zu können. Ohne dass meine eigenen Bedürfnisse und Wünsche dabei niemanden interessieren – oder die Erfüllung dieser zumindest sehr stark abhängig ist von Menschen, die in der Hierarchie über mir stehen. Außerdem will ich meine Arbeit so gestalten, dass sie zur Befriedigung der Bedürfnisse von Menschen dient. Dabei bin ich mir darüber im Klaren, dass auch viele der von mir hier genannten und gewünschten Punkte auf der Grundlage der kapitalistischen Gesellschaftsordnung trotz bester Absichten eingeschränkt werden bleiben.

Nichtsdestotrotz, ich will diese Verantwortung übernehmen – für mich, meine Mitstreiter*innen, zukünftige Kund*innen und (im Rahmen meines Einflusses) die Gesellschaft. Dabei lässt sich grundsätzlich sagen, dass die Arbeit im Kollektivbetrieb zu aller erst – ganz unspektakulär – dazu dienen wird, die eigene Existenz finanziell zu sichern. In dieser Hinsicht ist mir das Projekt also ziemlich ernst – und sollte es auch allen Beteiligen sein. Ich will aber, dass das Bewusstsein für diese Wichtigkeit Hand in Hand mit den vielfältigen Möglichkeiten geht, das Leben nach den eigenen Vorstellungen gestalten zu können. Und zwar mit Euphorie, Kraft, Kreativität – oder was eine*n eben sonst so antreibt.


M

Kollektivbetrieb für Haushaltshilfe – was ist das denn bitte für eine geniale Idee? Nichts
überraschendes erwartend saß ich beim Klimastreik im September 2021 und dann kamen
unverhofft zwei Menschen zu mir. Sie erzählten mir von dem Plan, einen Kollektivbetrieb für
Haushaltshilfe zu gründen. Sie erzählten und ich konnte mich gar nicht konzentrieren, weil um
mich rum so viel los war und sich in mir drin direkt ein Gedanke Bahn brach: das hört sich so toll
an, ich will mitmachen! Warum? Alles was die beiden mir da erzählt haben, hörte sich für mich an
wie eine Utopie die Wirklichkeit werden kann. Ursprünglich wollte ich Lehrerin werden. Habe mehr
oder weniger munter Spanisch und Geschichte studiert. Das Leben macht aber, wie wir alle
wissen, immer wieder seltsame Dinge und nimmt komische Abzweigungen. In meinem Fall heißt
das, dass ich mit Beginn meines Studium an einer Autoimmunerkrankung erkrankte. Seitdem ist
sie meine ständige Begleiterin, mal mehr und mal weniger schlimm. Im Laufe der Zeit habe ich
bemerkt, dass ich nicht Lehrerin sein möchte, beziehungsweise nicht Lehrerin in diesem
Schulsystem sein kann. Nach Abschluss meiner Bachelorarbeit habe ich dann eine Ausbildung
zur Erzieherin angefangen und bot meiner wundervollen Begleiterin die Chance wieder voll
zuzuschlagen. Nach einigem Hin und Her und diversen Krankenhausaufenthalten später habe ich
dann entschieden, dass ich die Ausbildung abbreche, schweren Herzens, denn ich wollte sie so
sehr machen. Zurückgeblieben bin ich mit der Frage, wie ich es schaffen soll, jemals für mich
selber zu sorgen, jemals (finanziell) auf eigenen Füßen zu stehen, jemals wirklich unabhängig und
gleichberechtigt leben zu können. Meine Krankheit wird so sehr getriggert von Stress,
beziehungsweise Bestehensdruck, dass es mir unmöglich schien jemals einen Schritt weiter zu
kommen…
Und dann kamen diese wunderbaren Menschen und erzählten mir von diesem wundervollen Plan.
Diesem Plan, der es mir nun doch ermöglichen soll, all das zu erreichen was mir wichtig ist: meine
eigene finanzielle Unabhängigkeit, gleichberechtigtes Leben, mit Menschen arbeiten, Menschen
zu mehr Lebensqualität verhelfen. Ich möchte einer sinnenhaften Arbeit nachgehen, und genau
das ist Haushaltshilfe für mich. Seit 11 Jahren arbeite ich als Pflegeassistentin und weiß was diese
Arbeit bedeutet. Wie wichtig und wertvoll sie ist. Für alle Beteiligten. Einer sinnenhaften Arbeit
nachgehen, die wir obendrein selber organisieren und nicht in unangenehmen
Arbeitsverhältnissen feststecken. So arbeiten können, wie ich es mir für alle Menschen wünsche.
So arbeiten können, wie es allen Menschen möglich sein sollte!